Es ist fast, wie in jedem klassischen Science-Fiction-Film, der das Ende der Welt aufgrund einer wie auch immer gearteten Krise globalen Ausmaßes behandelt. Die Story Line dieser Filme ist dabei beinahe immer dieselbe: Wissenschaftler machen bei ihren Forschungen Entdeckungen, welche die Zukunft des Planeten betreffen und eine nahende Katastrophe erahnen lassen. Entsprechend ihrer moralischen Verpflichtung, weisen eben jene Wissenschaftler sowohl Regierungsvertreter als auch die Öffentlichkeit auf ihre Forschungsergebnisse hin und mahnen zu schnellem und entschlossenem Handeln. Die in der Bevölkerung – und vor allem bei Regierungsvertretern – veranlagte Lethargie im Zusammenhang mit Problemen, die in der Zukunft liegen, verhindert jedoch eine angemessene Reaktion auf diese Probleme. Und so geschieht, was zwangsläufig geschehen muss – der scheinbar unvermeidbare Weltuntergang, auf den man sich nicht genug vorbereitet hat. Gut nur, dass am Ende jeder dieser Filme das Happy End wartet, welches sich durch herausragende wissenschaftliche Innovationen und Heldentaten in letzter Minute verhindern ließ.

Dass die meisten Filme – erst recht die im Science-Fiction-Genre – nicht so gut mit der Wirklichkeit korrelieren, ist eine bittere Erkenntnis. Denn diesen Sonntag jährt sich der Abschluss der Pariser Klimakonferenz im Jahre 2015, welche wie viele sagen eine „Sternstunde der Diplomatie“ war und den Weg hin zu einer lebensfreundlichen Zukunft durch die Begrenzung der globalen Erwärmung ebnen sollte. Nur dass die Umsetzung eben jener Übereinkunft von 195 Staaten dieser Erde weit hinter dem Nötigen zurückliegt. Das im Pariser Übereinkommen festlegte Ziel einer Begrenzung der Erderhitzung von möglichst nur 1,5° über dem vorindustriellen Niveau soll das Schlimmste verhindern. Die Betonung liegt hier auf „Schlimmste“ – denn bereits eine Erderhitzung von 1,5° sorgt für massive Veränderungen. Naturkatastrophen wie Hitzewellen, Tsunamis oder Überschwemmungen werden nämlich ebenso wenig verhindert, wie ein Anstieg des Meeresspiegels und der Verlust wertvoller Biotope oder gar ganzen Spezies. Es geht hierbei lediglich um eine Minimierung noch größerer Katastrophen, die uns bei einem weiteren Temperaturanstieg bevorstehen würden – bis zur Unbewohnbarkeit des Planeten.

Wer nach Sechs Jahren, die nach Unterzeichnung dieser Übereinkunft vergangen sind, eine Zwischenbilanz zieht, wird merken, warum unsere Geschichte im Vergleich mit vielen Science-Fiction-Filmen ohne das Happy End auskommen muss. Uns bleiben nur noch wenige Jahre um die anstehenden Katastrophen, vor denen uns die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten warnt, verhindern zu können. Aber trotz dieser Dringlichkeit, fehlt es den Anführer*innen dieser Welt noch an Standfestigkeit und Mut, um die selbst gesteckten Ziele erreichen zu können. Kurzfristige wirtschaftliche Interessen, mächtige Lobbyverbände und populistische Regierungen sabotieren seit dem Aufkeimen des Bewusstseins für eine nachhaltige Zukunft alle Bemühungen für den nötigen Systemwechsel und vernichten damit die Lebensgrundlagen von Abermillionen von Menschen. Das Happy End, welches sowohl den Milliarden von Menschen auf dieser Erde als auch der Erde selbst und ihrer Natur zusteht, droht in einem Desaster zu enden. Die Emissionskurve des weltweit emittierten CO2s steigt weiter an und die Erde steuert geradewegs auf eine unglaubliche Temperatursteigerung von 3° im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu! Die weltweiten Subventionen in fossile Energieträger belaufen sich nach wie vor auf hunderte Milliarden Euro und eine umfassende CO2-Bepreisung auf globaler Ebene ist nicht in Sicht. Die Unterzeichner-Staaten legen also nach wie vor kaum die richtigen Konzepte zur Umsetzung der eigenen Ziele vor und lassen diese zu nichts als leeren Worthülsen verkümmern, welche das Papier nicht wert sind auf dem sie geschrieben wurden.

Die Menschheit sieht sich bei ihrem eigenen Untergang zu und wirkt dabei wie paralysiert. Es scheint den Menschen wohl noch immer an der nötigen Vorstellungskraft zu fehlen, um die dunkle Zukunft, die uns bevorsteht, erkennen zu können. Die Weltklimakonferenz in Glasgow dieses Jahr, ist dafür ein trauriges Zeugnis. Was es jetzt braucht, sind der gesellschaftliche Druck, der seit Jahren steigt – der Dank gebührt vor allem Fridays for Future – und einer Allianz der Willigen, die sich nicht hinter der Untätigkeit der globalen Gemeinschaft versteckt. Die Staaten, die Teil dieser Allianz wären, müssten ihre Ziele nochmals massiv nachschärfen und ein Regelwerk schaffen, welches rechtliche Konsequenzen ermöglicht, sollten diese nicht erreicht werden.

Sechs Jahre nach Abschluss der Weltklimakonferenz in Paris, mit dem damals so sehr gefeierten Übereinkommen, sind wir heute also keinen entscheidenden Schritt weiter und rücken nach wie vor sehenden Auges an eine immer näher rückende Katastrophe ran. Die Weltgemeinschaft folgt brav dem typischen Script eines Endzeitfilmes – nur leider ohne Aussicht auf ein Happy End.

Jetzt kommt es auf uns alle an. Wir müssen den gesellschaftlichen Druck aufrechterhalten und uns politisch und aktivistisch überall für den Klimaschutz einbringen. Unser Schicksal liegt in unserer Hand.

 

(Text von Leon Flores Monteiro)